morschesholz

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Dias und Negative digitalisieren

05 July 2014

Anlässlich eines runden Geburtstags ergab sich bei mir letztens die Notwendigkeit, alte Dias irgendwie zu digitalisieren. Das ist keineswegs ein neues Thema. Für solche Fälle gibt es spezielle Diascanner oder Aufsätze für den Standard-Scanner, den manch einer zu Hause rumstehen hat. Wenn man aber nicht gerade tausende auf Dias gebannte Fotoschätze retten will, lohnt sich vor allem die Anschaffung eines separaten Diascanners nicht unbedingt. Ein bisschen Recherche im Netz führte recht schnell zu der Erkenntnis, dass man mit nur wenig Aufwand auch die DSLR zur Digitalisierung von Dias nutzen kann. Das hat gleich noch den netten Vorteil, dass das "Knipsen" eines Fotos (bzw. Dias) deutlich schneller geht, als das Einscannen eines Dias.

In den passenden Fachforen finden sich viele verschiedene Ansätze, das Problem anzugehen. In vielen Fällen wird dabei einfach "von vorn" in einen Diaprojektor hinein fotografiert. Wenn man aber, so wie ich, keinen Projektor zur Hand hat, muss man irgendwie anders für die nötige starke Beleuchtung des Dias sorgen. Zum Beispiel mit einem Blitzgerät, dass manch einer ja sowieso zu seinem Foto-Equipment zählt. Unter anderem von diesem Aufbau hier inspiriert, hab ich mich dann auch ans Werk gemacht:

Zuerst einmal sollte man ein Makroobjektiv verwenden, damit man das Dia möglichst groß aufs Bild bekommt. Bei mir hat es auch ein Makroring für mein 15-85mm getan. Mein Blitzgerät hab ich via Blitzkabel an die Kamera angeschlossen, sodass ich genügend Spielraum hatte, um den Blitz so auszurichten, dass er das Dia von hinten durchleuchtet. Damit das Licht gleichmäßig verteilt wird, habe ich vor dem Blitz noch eine Milchglasscheibe (Acrylglas mit Frost-Look oder ähnliches, gibts im Baumarkt für ein paar Euro) aufgestellt. Ich hab alle Komponenten auf einem alten Brett montiert bzw. angeordnet. Wenn dann alles richtig ausgerichtet ist, kann man sich darauf mit Bleistift entsprechende Markierungen machen.

Nun noch zum Dia. Dafür hab ich mir aus Lego eine kleine Halterung gebaut. Die sorgte dafür, dass das Dia gerade steht und nicht verrutscht. Gleichzeitig konnte ich aber das Dia auch schnell und leicht entnehmen und ein anderes Dia in die Halterung stecken. Etwas kniffelig war es allerdings, die Halterung so zu bauen, dass sie die Dias in genau der richtigen Höhe hält. EC-Karte, Bahncard usw. haben hier beim Höhenausgleich geholfen.

Dann ein kontrastreiches Dia eingelegt und im Live-View-Modus die Kamera per Autofokus richtig fokussieren lassen. Eventuell ist das Dia zu dunkel für den Autofokus der Kamera. Dann muss man hier fürs Fokussieren mal irgendwie anders das Dia von hinten durchleuchten, z.B. mit einer Taschenlampe oder so. Für die richtige Aufnahme haben wir ja dann den Blitz. Die Einstellungen an der Kamera: Manueller Modus, 1/80 und f/8 bei ISO 100. Man sollte keine zu kleine Blende nehmen. Der Diafilm im Rahmen ist manchmal etwas gewölbt. Mit f/8 sollte man genug Schärfentiefe haben, um diese Unebenheiten auszugleichen und ein durchweg scharfes Bild zu bekommen (vorausgesetzt natürlich, das Dia war ok).

Wenn der Autofokus fertig ist, den Live-View-Modus verlassen und am Objektiv auf manuellen Fokus umstellen. Jegliche Bedienung der Kamera sollte jetzt natürlich ganz vorsichtig erfolgen, um die Ausrichtung des gesamten Aufbaus nicht mehr zu verändern. Das Blitzgerät sollte unbedingt auf Blitzautomatik (E-TTL o.ä.) eingestellt sein. Wir haben ja an der Kamera feste Belichtungswerte angegeben. Die Kamera steuert nun also allein über die Intensität des Blitzes die korrekte Belichtung des Bildes.

Und dann einfach den Auslöser betätigen. Ich nutze in solchen Fällen (wie auch auf dem Stativ) an meiner 550D gern den 2-Sekunden-Selbstauslöser zusammen mit der Spiegelvorauslösung (heißt bei Canon Spiegelverriegelung). Den Auslöser drücken, Finger wegnehmen und dann wird 2 Sekunden später das Bild gemacht, ohne dass ich irgendwas verwackeln könnte. In dem Fall hatte ich die Kamera aber per USB an den Rechner angeschlossen und aus Lightroom heraus ausgelöst (Tethered Shooting). So landet die Aufnahme dann auch sofort in Lightroom, wo ich gleich einen kurzen Blick drauf werfen kann.

Auf diese Weise schafft man ziemlich viele Dias in recht kurzer Zeit. Am Anfang braucht man ein paar Versuche, bis alles richtig ausgerichtet ist. Aber dann geht es ganz zügig. Und die Ergebnisse sind durchaus brauchbar. Klar, wer maximale Ansprüche an die Dias bzw. Digitalisierungen hat, sollte dann vielleicht doch besser auf einen Diascanner o.ä. zurückgreifen. Wem es aber lediglich darum geht, auch heute öfter mal durch die alten Schnappschüsse von damals zu blättern und in Erinnerungen zu schwelgen, der sollte mit so einer Variante hier zufriedenstellende Ergebnisse erzielen können.

Übrigens habe ich auf diese Weise auch Negativfilm digitalisiert. Ich musste nur meine Halterung etwas anpassen, sodass ich eine Filmrolle auf fester Höhe vor der Kamera vorbeiziehen konnte. Allerdings brauchte ich beide Hände zum Festhalten des Film, da sich dieser sonst zu stark gewölbt hätte. Den Auslöser konnte ich dann nicht auch noch betätigen, sondern musste mir dafür Unterstützung suchen. Vielleicht ließe sich da die Halterung aber auch noch optimieren. Wenn die Negative dann in Lightroom gelandet sind, kann man sie mit Hilfe der Gradationskurve in ein kontrastreiches Positiv verwandeln. Hat man Farbnegative umgekehrt, muss man dann noch was am Weißabgleich machen. Dazu am besten die Pipettenfunktion von Lightroom verwenden und schon stimmen die Farben.

Hier gibt es auch ein paar Fotos von meinem kleinen Bastelprojekt. Das nächste Mal bau ich zur Auflockerung vielleich auch gleich ein paar Fotos in den Beitrag mit ein.